Die KX540F von Jens Getteman (Team Monster Energy Kawasaki Elf Team Pfeil) Foto: ADAC MX Masters
Die KX540F von Jens Getteman (Team Monster Energy Kawasaki Elf Team Pfeil) Foto: ADAC MX Masters

Bikes der Stars unter der Lupe

Kawasaki KX450F - Monster Energy Kawasaki Elf Team Pfeil

Jens Getteman ist mit seiner Pfeil-Kawasaki aufs Masters-Podium gefahren.

Das Monster Energy Kawasaki Elf Team Pfeil ist eines der bekanntesten und größten Motocross Teams in Deutschland. Teamchef Harald Pfeil ist im Motocross eine feste Größe und hat die deutsche MX-Szene maßgeblich mitgeprägt. Der Thüringer gilt im besten Sinne des Wortes als "ehrliche Haut" und steht für klare Prinzipien. Dass er seit zwölf Jahren ohne Unterbrechung mit Filip Neugebauer zusammenarbeitet und erfolgreiche Piloten wie Florent Richier jahrelang an sich binden konnte, zeigt, dass er vieles richtig macht und nicht zuletzt seinen Fahrern erstklassiges Material zur Verfügung stellt. Wir zeigen hier die KX450F des Belgiers Jens Getteman.

Der Motor als Herzstück des Motorrades wird im Team Monster Energy Kawasaki Elf Team Pfeil durch die Firma RSE Racing in den Niederlanden überarbeitet. "Verbaut sind unter anderem andere Ventile und Ventilfedern, speziell geschliffene Nockenwellen, ein speziell angefertiger Kolben von Vertex, ein Carillo Pleuel, eine feingewuchtete Kurbelwelle, eine Hinson Kupplung, sowie eine Zündbox von Vertex mit einem speziellen Mapping von RSE", erklärt Pfeil. "Jens Getteman hat einen guten Draht zu unserem Tuner und war im Frühjahr schon mehrmals bei ihm testen. Im Prinzip geht es nicht nur einfach darum, mehr Leistung zu bekommen, sondern die Leistungsentfaltung so zu modifizieren, dass der Motor optimal mit dem Fahrstil des Piloten harmoniert. Jens bevorzugt zum Beispiel viel Leistung im oberen Drehzahlbereich, während Filip lieber mit viel Power unten heraus fährt." Die beiden Wasserkühler sind Serienteile, lediglich die Leistung der Kühlwasserpumpe wurde durch kleine Modifikationen erhöht. Die Abgasanlage stammt von HGS und wird jeweils an das Motortuning angepasst.

Die kompletten Bremsen an den Pfeil-Bikes stammen von der Firma Goldfren. Je nach Vorlieben der Fahrer werden zudem größere Scheiben als in der Serienversion eingesetzt, um die Bremsleistung weiter zu erhöhen. "Mit Scheiben, Belägen, Bremszangen und Leitungen verwenden wir ein Komplettpaket von Goldfren, das gegenüber der Serienanlage nicht nur die Bremsleistung, sondern vor allem die Standfestigkeit erhöht", erklärt Harald Pfeil. Dazu werden unter anderem dickere Scheiben und hochwertige Materialien eingesetzt.

Der Carbontank stammt von CMT und ist nicht nur leichter, sondern auch größer als der Serientank. "Mit dem Serientank kommt ein schneller Fahrer in einem langen Sandrennen nicht über die Runden", erklärt Pfeil. "In den Amateurklassen reicht der Serientank, aber bei dem Tempo der Profis und den längeren Renndistanzen geht einem schnellen Fahrer der Sprit aus." Der Tank von CMT fasst mit 7,5 Litern rund einen Liter mehr als die Serienversion. Dass er dabei auch noch unverschämt gut aussieht, ist ein willkommener Nebeneffekt.

An Gettemans Bike kommt ein Komplettfahrwerk der Firma Sölva inklusive Gabelbrücken zum Einsatz. Die Federelemente des Südtirolers Roland Sölva genießen in der Szene einen exzellenten Ruf und werden auf den Rennen durch Rolf Ringwald (R.R. Racing Suspension) betreut. "Mindestens ebenso wichtig wie die Qualität der Fahrwerke, ist der Service und die Betreuung durch den Fahrwerkstechniker", erklärt Pfeil. "Der Fahrer muss vollstes Vertrauen in seinen Fahrwerkstechniker haben und die beiden müssen einen Weg finden sich gut zu verständigen. Das ist auch der Grund weshalb nicht alle Fahrer bei uns im Team die gleichen Federelemente verwenden müssen. Jeder hat seine Vorlieben und seinen bevorzugten Servicemann. Auch hier gilt: die Fahrer müssen glücklich sein, damit sie volle Leistung bringen können."

Die Räder stammen von Haan Wheels aus den Niederlanden und werden mit besonders stabilen Speichen und Excel A60 Felgenringen aufgebaut. "Wenn die Top-Jungs richtig Gas geben wird auch schon mal ein Table komplett übersprungen und im Flachen gelandet", berichtet Pfeil von der Fahrweise seiner schnellen Piloten. "Die Serienräder sind schon recht stabil, aber so etwas würden sie nicht allzu lange aushalten." Die grün eloxierten Naben werden von Haan Wheels selbst gefertigt, die Felgen stammen von Excel.

Der Lenker und fast alle der eloxierten "Bling-Bling-Teile", wie zum Beispiel, die grün eloxierten Deckel der Bremsflüssigkeitsbehälter stammen von ZAP Technix aus Blankenhain. Neben der höheren Stabilität geht es auch schlicht und ergreifend darum, dass die Team-Bikes gut aussehen. "Manche Teile wie zum Beispiel der Kupplungsdeckel von Hinson sind einfach robuster als die Serienteile, andere Dinge dienen nur der Optik", erklärt Pfeil. "Die Hinterradschwinge haben wir nur deshalb schwarz eloxiert, weil es gut aussieht."

Der extrem weit abstehende Hand-Bremshebel ist keine Tuningmaßnahme im eigentlichen Sinn, sondern eine persönliche Vorliebe von Jens Getteman. Im Gegensatz zu der Mehrheit der Fahrer, die es lieben, den Druckpunkt der Bremse möglichst nahe am Lenkergriff zu spüren, bevorzugt der Belgier einen extrem weit abstehenden Bremshebel und einen extrem weit vorne liegenden Druckpunkt der Vorderradbremse. "Die persönlichen Vorlieben der Fahrer sind nun mal unterschiedlich", grinst Teamchef Harald Pfeil. "Unser Job ist es, ihr Bike optimal auf sie anzupassen und ihre Wünsche zu erfüllen." Auffällig auch die extrem "runden" Fußrasten, die der Belgier bevorzugt. Während manche Fahrer ihre Rasten extrem "scharf" haben möchten um auf keinen Fall mit dem Stiefel abzurutschen, bevorzugt Getteman eine eher "rutschige" Version mit "abgenutzten" Zacken an den Fußrasten.

Alle Fahrer im Team verwenden frei verkäufliche Reifen von Bridgestone. Während im Winter beim Supercross mit Schläuchen gefahren wird, kommen bei den Outdoor-Rennen ausschließlich Mousse Ringe von Mefo zum Einsatz. "Das Risiko einen Plattfuß einzufangen ist sonst einfach zu groß", erklärt Pfeil. "Das Feeling für die Fahrer ist nicht ganz so gut wie mit einem Schlauch und dem passenden Luftdruck, aber wenn man über genug Erfahrung verfügt, gibt es auch einige Tricks, wie man die Mousse Ringe so anpassen kann, dass der jeweilige Fahrer glücklich ist."

Saison 2019