Die Ernährungspäne der Motocrosser Foto: ADAC MX Masters
Die Ernährungspäne der Motocrosser Foto: ADAC MX Masters

Ernährungstipps: 'Du bist, was du isst'

Ernährungspläne der Motocrosser

Motocross ist eine Sportart, bei der die Ernährung eine entscheidende Rolle im Hinblick auf die Leistung spielt.

"Wenn man einen Ferrari mit Diesel betankt, funktioniert der Motor nicht gut. Tankt man hingegen Super Plus-Benzin, dann ist das Gefährt voll leistungsfähig. Genau dasselbe gilt für Sportler. Du bist, was Du isst. Die Ernährung bildet sozusagen die Basis für Motocrosser, denn nur Gas geben kann so ziemlich jeder, das Fahren bildet tatsächlich nur die Spitze der Pyramide", erklärt Vielfach-Motocross-Champion Collin Dugmore, der sich in Deutschland mit einer Motocross-Schule und seinem ADAC Hessen-Thüringen MX Masters Rookie Team für den Nachwuchs einsetzt und viele Talente in punkto Ernährung betreut. Der gebürtige Südafrikaner konnte während seiner Karriere als aktiver Fahrer 13 nationale und internationale Titel für sich entscheiden, anschließend hat er sich dem Coaching angenommen, um sein Wissen und seine Erfahrung an die nächsten Generationen weiterzugeben.

"Als Profi habe ich mich intensiv mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt und habe mein Wissen seither stetig erweitert. Allerdings kann man sich auch schnell darin verlieren, was dem Körper guttut und was nicht, daher benötigt man eine klare Richtlinie. Wir bieten bereits für die Jüngsten, die von uns ganzjährig betreut werden, spezielle Seminare an und schulen sie darin, wie sie gesund essen und worauf sie möglichst verzichten sollten. Dabei gibt es ein paar Grundregeln, die man einhalten sollte, wenn man nachhaltig Erfolg haben will. Milchprodukte sind beispielsweise nicht wirklich förderlich, zudem sollte man gänzlich auf Weißmehl und auf den Verzehr von zu viel Fleisch verzichten", erzählt Collin weiter. Seiner Meinung nach sei es am sinnvollsten, zum größten Teil Vegetarier zu sein und sich auf Obst und Gemüse zu konzentrieren. Ein absolutes No-Go sind laut Collin hingegen Süßigkeiten und Fast Food.

"Der Körper wird am besten mit vielen natürlichen Nährstoffen versorgt, auf diese Weise bekommt er am meisten Energie. Besonders wichtig ist dabei die Ernährung an den Rennwochenenden. In dieser Zeit müssen vor allem die Kohlenhydrate- und Protein-Speicher gut aufgefüllt sein. Und das erreicht man, indem man vor den Wertungsläufen Produkte wie Nudeln, Kartoffeln oder Brot zu sich nimmt und sich zusätzlich auf proteinhaltige Lebensmittel wie Bohnen, Eier, Fisch oder Hähnchen konzentriert", berichtet der 48-Jährige, der seit einigen Jahren Niederroßbach in Rheinland-Pfalz zu seiner neuen Heimat erklärt hat.

Zwei, die schon länger auf die Ernährungstipps von Collin Dugmore schwören, sind die Brüder Tim und Tom Koch. Beide nehmen ausschließlich Gesundes zu sich, gesündigt wird allerhöchstens mal nach einem Rennen. Für den Fall nehmen sich die Geschwister stets ein paar Gummibärchen und Schokolade als kleine Belohnung mit. Allerdings ist so ein ‚Schwacher Moment', wie Tim ihn nennt, eher selten bei den Kochs, stattdessen motivieren sich die Jungs lieber gegenseitig, den Ernährungsplan einzuhalten und ausgewogen zu essen. "Das Frühstück besteht bei uns entweder aus Haferflocken mit Obst oder einem Brötchen mit Honig, mittags nehmen wir immer eine feste Mahlzeit zu uns. Abends gibt es fast jeden Tag Brot mit einem eiweißhaltigen und fettarmen Belag, dazu essen wir viel Gemüse wie Paprika, Gurke oder Brokkoli", beschreibt der Student aus Apolda in Thüringen die täglichen Mahlzeiten im Hause Koch. Während eines Rennwochenendes bekommt das Essen des ADAC MX Masters-Piloten vom Team stielergruppe.mx Johannes Bikes Suzuki und seines Bruders Tom, der für das KTM Sarholz Racing Team im ADAC MX Youngster Cup startet, jedoch noch einmal mehr Bedeutung, liegt der Fokus dann bei beiden verstärkt auf Lebensmitteln wie Nudeln und Reis. "Vollkornnudeln und Rote-Linsen-Nudeln haben beispielsweise extrem viele Proteine, die kurbeln das Leistungsvermögen echt ganz gut an", so Tim. Sämtliche Zusatzpräparate oder Energie ankurbelnde Hilfsmittel wie sogenannte Power Bars seien für die beiden Motocrosser dafür tabu. Der Effekt eines solchen Produkts sei nicht nachhaltig genug und somit nicht lohnenswert.

Eine ähnliche Meinung teilt auch ADAC MX Masters-Fahrer Henry Jacobi, der ebenfalls zu den Schützlingen von Ernährungscoach Collin Dugmore gehört. Zwar gibt der 20-Jährige offen zu, dass es ihm unter der Woche nicht immer leichtfällt, zu verzichten. Je näher die Zeit jedoch in Richtung Rennen rücke, desto mehr ziehe er sein Programm dann durch. "Beim Motocross-Sport merkt man bereits die kleinsten Veränderungen in der Ernährung und das ist es mir meist nicht wert, wenn ich dann vor einem Schokoriegel stehe und mir überlege, ob ich den jetzt esse oder nicht. Hier geht es um Leistung im Spitzensport und Süßigkeiten bestehen zu einem Großteil aus Transfettsäuren, die reiner Abfall sind. Das braucht also eigentlich kein Mensch", sagt der Thüringer, der seit dieser Saison für das STC Racing Team unterwegs ist.

Stattdessen freut sich Henry einmal die Woche auf ein sogenanntes Highlight-Gericht, das zum Beispiel aus Zuckerschoten, Cherrytomaten und Pestonudeln besteht. Zudem steht einmal die Woche Fisch auf dem Speiseplan, den der WM-Fahrer eigentlich gar nicht so gern mag, ihn aber dennoch zu sich nimmt, weil er um die gesunden Nährstoffe weiß. Zum Abendbrot wird bei den Jacobis täglich Roggenbrot aufgetischt, Weizen ist aufgrund seiner industriellen Herstellung für den Husqvarna-Piloten tabu.

Wer sich demnach in einem Extremsport wie Motocross behaupten will, der muss nicht nur sportlich aktiv und geistig fit sein. Der Körpermotor läuft erst dann richtig rund, wenn man ihm den richtigen Treibstoff zum Energieverbrennen gibt und somit das Maximum an Leistungsfähigkeit herausholt.

Saison 2019