Jeremy Delince ist im Fahrerlager des ADAC MX Masters seit vielen Jahren präsent Foto: ADAC / Steve Bauerschmidt
Jeremy Delince ist im Fahrerlager des ADAC MX Masters seit vielen Jahren präsent Foto: ADAC / Steve Bauerschmidt

Interview Jeremy Delince

'Im wirklichen Leben bin ich Busfahrer'

Der Belgier Jeremy Delince konnte dieses Jahr in Mölln aufs Podium fahren, verpasste jedoch die zwei letzten Rennen der Saison aufgrund einer Fußverletzung.

Jeremy Delince ist im Fahrerlager des ADAC MX Masters seit vielen Jahren präsent. Der sympathische Belgier startete schon früh in seiner Karriere im ADAC MX Junior Cup und konzentrierte sich in den letzten Jahren voll auf seine Einsätze in der ADAC MX Masters Klasse. Der 29-Jährige begann schon als kleiner Knirps mit dem Motocross und arbeitete sich nach und nach bis in die Motocross-Weltmeisterschaft nach oben. Wir haben uns mit ihm über seine kurze Zeit als Profi und sein heutiges Leben als Top-Motocrosser, der gleichzeitig einem Fulltime-Job nachgeht, unterhalten.

Wie bist du zum Motocross gekommen?
Durch meine Eltern. Meine Mutter hatte ein Straßenmotorrad und das hat mich schon als kleiner Junge fasziniert. Mein Dad meinte dann, dass ich ein Bike bekäme, sobald ich ohne Stützräder fahren könnte. Er musste sie noch am selben Tag abschrauben und abends bin ich selbstständig auf dem Fahrrad gefahren. Das war als ich vier Jahre alt war. Mit fünf bin ich dann mein erstes Rennen gefahren. Zunächst war ich nicht wirklich flott unterwegs, aber es ist schnell besser geworden.

Wie ging deine Karriere weiter?
Am Anfang sind wir nur Rennen in der näheren Umgebung gefahren, dann in ganz Flandern und schließlich sind wir im ADAC MX Junior Cup gelandet. Da war ich zehn Jahre alt und tat mir ziemlich schwer. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Rennen im Junior Cup. Das war in Reutlingen und ich konnte mich nur als Reservefahrer qualifizieren. Aber ich kam zum Zug und bin zwei ziemlich wilde Rennen bei totalem Schlamm gefahren. Danach ging es Schritt für Schritt weiter nach oben und 2010 bin ich dann für KTM eine komplette WM-Saison gefahren. Aber ich hatte damals kein gutes Jahr, habe mir das Schlüsselbein gebrochen und konnte dort nie richtig Fuß fassen. Deshalb war das WM-Abenteuer schnell wieder beendet.

Wie bist du in Kontakt mit dem KMP Honda Team gekommen?
Ich bin damals für Honda gefahren, aber mein Vertrag lief aus und ich wollte gerne auf dem roten Bike bleiben, weil mir das Motorrad sehr gut lag. Deshalb habe ich Alex Karg kontaktiert und wir sind ziemlich schnell zusammengekommen. Wir haben direkt mit einer Supercross-Saison begonnen, aber das war keine gute Idee! Beim Motocross ist es dann wesentlich besser gelaufen und so kam es, dass ich dieses Jahr schon die fünfte Saison für KMP Honda bestritten habe.

Führst du ein typisches Leben als Motocross-Profi?
Nein, überhaupt nicht! Ich habe einen ganz normalen Fulltime-Job als Busfahrer. Ich kutschiere Kids in die Schule und wieder nach Hause und habe sehr viel Spaß bei diesem Beruf. Einige von Ihnen wissen auch, dass ich MX fahre und fragen mich regelmäßig, wie es läuft, aber ich hänge das im Job nicht an die große Glocke. Leider ist es oft schwierig ein normales Berufsleben mit den Aufgaben eines Motocross-Piloten in Einklang zu bringen. Die ersten Rennen waren deshalb mitunter schwer für mich. In Möggers bin ich zum Beispiel erst Freitagnacht sehr spät im Hotel angekommen, weil ich noch den ganzen Tag arbeiten musste. Vor Mölln konnte ich aus Zeitmangel nicht viel trainieren und litt deshalb ganz besonders unter der Hitze. Aber danach sind die Ferien gestartet und ich hatte einige Wochen in denen ich mich ganz auf Motocross konzentrieren konnte.

Möchtest du noch einmal einen Versuch als Profi wagen?
Nein, eigentlich nicht. Ich fühle mich in meiner aktuellen Situation wohl. Ich kann meine Rechnungen bezahlen und meine Freizeit mit meiner Leidenschaft verbringen. Wenn man sich ausschließlich auf Motocross konzentriert, kann das auch ins Auge gehen und man steht ganz schnell mit leeren Händen auf der Straße. Ich habe mich gut arrangiert mit Beruf und Hobby und komme gut mit meiner Situation klar, auch wenn es nicht immer einfach ist.

Warum hast du dich dazu entschieden in Deutschland zu fahren?
Ich mag das ADAC MX Masters sehr gerne. Die Rennen sind super organisiert, es sind Zweitages-Veranstaltungen an denen man viel Zeit auf der Strecke verbringen kann und es gibt viel Konkurrenz auf hohem Niveau. Als Sportler möchte ich mich natürlich innerhalb meiner Möglichkeiten mit den besten Fahrern messen. Zudem fühle ich mich bei Alex im KMP Honda Team einfach sehr wohl.

Saison 2020